Ein Fasten, wie Gott es wünscht

Ulrich Fistill ist Professor für Altes Testament an der PTH Brixen und geistlicher Rektor der Cusanus-Akademie. Er hat uns jeweils mittwochs durch die Fastenzeit begleitet – ausgehend von Jes 58. 

Augenscheinlich stehen uns jetzt in der Fastenzeit schwierige Zeiten bevor. Vor allem nicht recht lustige. 

Gedanken zur Karwoche

Und? Was haben wir am Ende, nach dem ganzen Fasten? Zugestanden: Jes 58 lädt uns ein, das Fasten anders zu betrachten. Dennoch bleibt die beklemmende Frage: Was schaut am Ende heraus? Was ist das Ergebnis des Ganzen?
Die Antwort des Prophetenbuches ist nüchtern und überraschend zugleich (v.10): 
… dann geht im Dunkel dein Licht auf und deine Finsternis wird hell wie der Mittag 

Das Ergebnis des Fastens ist es, hell zu sein und zu leuchten. Und zwar in zweifachem Sinn: Zunächst einmal vertreibt das Licht die eigene Dunkelheit, erst ganz zaghaft, wie das ansetzende Morgenrot (v.8), um bald in einem strahlenden Glanz auszubrechen; und der Natur des Lichtes entsprechend erreicht der Lichtstrahl dann auch die anderen, so dass jedes Tun von Gerechtigkeit geleitet wird und von der Herrlichkeit des Herrn Zeugnis gibt (v.8).

Ist das nicht eine schöne Perspektive? Wenn das Fasten uns von den verkehrten Bindungen gelöst hat, dann besteht die gewonnene Freiheit darin, Licht zu sein.
  • Selig, die das Licht suchen und es von Gott erbitten.Selig, die das Licht annehmen und pflegen.
  • Selig, die das Licht erstrahlen lassen und weitergeben.
  • Selig, die in ihrem Leben Gottes Nähe, Güte und Gerechtigkeit aufleuchten lassen.
Wenn wir uns in der Osternacht zu Christus, dem Licht der Welt, bekennen, erkennen wir in ihm gleichzeitig jenen Gott, der durch die Finsternis des Todes hindurchgegangen ist, um in der Herrlichkeit der Auferstehung neues Leben zu erschaffen. Ostern gibt es nicht ohne den Karfreitag, die Auferstehung nicht ohne den Tod. Und entsprechend braucht es auch das richtige Fasten, um zum Licht zu gelangen.Vertrauen wir Christus, dem Licht, das in der Finsternis jeden Menschen erleuchtet: Allen, die ihn aufnehmen, „gab er Macht, Kinder Gottes zu werden, allen, die an seinen Namen glauben.“ (Joh 1,12) 

Im Namen der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Cusanus Akademie wünsche ich allen tiefgehende Tage. Möge uns die gläubige Betrachtung des Leidens und Todes Jesu zum Licht der Auferstehung geleiten. Ein gesegnetes Osterfest!

Ulrich Fistill
Mittwoch, 31. März 2021


Gedanken zur sechsten Fastenwoche

Das ist ein Fasten, wie Gott es wünscht: dich deiner Verwandtschaft nicht zu entziehen 

Und wieder einmal schafft es die Bibel, uns zu überraschen. Wer würde beim Thema Fasten an die Verwandten denken? Normalerweise bringt man Verwandtschaft eher mit Festen und Feiern in Verbindung …

Aber hier geht es nicht um die netten Familientreffen, zu denen wir uns in regelmäßigen Abständen treffen. Jes 58,7 legt den Finger in eine Wunde, die in vielen unserer Familien schmerzt und blutet. Mit Recht ermahnt uns der Prophet: Sich der Verwandtschaft nicht zu entziehen, sie nicht in der Not im Stich zu lassen, der Schwester und dem Bruder unter die Arme zu greifen: So schaut ein gottgefälliges Fasten aus.

In der Tat ist es mit der lieben Verwandtschaft nicht immer so einfach. Freund/innen kann man sich aussuchen, Verwandte nicht; die „erbt“ man. Umso mehr sind wir auch ihnen gegenüber verpflichtet.

Wenn das Fasten uns zu wahrhaftigen und aufrichtigen Bindungen befähigen soll, dann gilt das umso mehr im Hinblick auf unsere Schwestern und Brüder – sowohl im wörtlichen wie im übertragenen Sinn! Deshalb fragen wir uns:
  • Wer ist mir Schwester und Bruder?
  • Setze ich meinen Bruder auf der Prioritätenliste ganz hinten an?
  • Wie schaue ich auf die Schwächen meiner Schwester?
  • Strafe ich meinen Nächsten mit Unachtsamkeit?
  • Wo und wann pflege ich die Beziehung zu meiner Verwandtschaft?
  • Pflege ich die Achtsamkeit besonders den schwachen Gliedern gegenüber oder neige ich zur üblen Nachrede?
Vertrauen wir uns im Gebet Christus an, der zu uns spricht: „Liebt einander! Wie ich euch geliebt habe, so sollt auch ihr einander lieben. Es gibt keine größere Liebe, als wenn einer sein Leben für seine Freunde hingibt.“ (Joh 13,34; 15,13)

Ulrich Fistill
Mittwoch, 24. März 2021


Gedanken zur fünften Fastenwoche

Das ist ein Fasten, wie Gott es wünscht: wenn du einen Nackten siehst, ihn zu bekleiden 

Zum Glück muss in unseren Breitengraden niemand nackt herumlaufen. Vielleicht könnte der einer oder die andere Bedürftige bei uns in den kalten Wintermonaten etwas Wärmeres gebrauchen, aber gottseidank wird dank vieler Einzelpersonen und Institutionen für passende Kleidung gesorgt.

Man könnte fast meinen, dieser Satz trifft nicht auf uns zu. Dennoch ermahnt uns Jes 58,7, Nackte zu bekleiden und ihnen somit die nötige Sicherheit zu geben: So schaut ein gottgefälliges Fasten aus.

Kleidung steht für Schutz, für Geborgenheit und für Würde. So betrachtet finden wir auch bei uns viele „nackte“ und gefährdete Menschen.Wenn das Fasten uns zum Helfen frei machen soll, dann gilt das umso mehr im Hinblick auf ohnmächtige und ungeschützte Menschen!

Deshalb fragen wir uns:
  • Braucht jemand in meiner Nähe besondere Aufmerksamkeit?
  • Geschieht jemandem Unrecht?
  • Handle ich unausgewogen?
  • Stelle ich jemanden bloß?
  • Setze ich mich für die Kleinen und Wehrlosen ein?
  • Stehe ich ein für eine gerechtere Gesellschaft?
Wenden wir uns im Gebet an unseren Herr Jesus Christus und empfehlen wir ihm alle ungerecht Behandelten an. Er ist ihr Schutz, er bewahrt sie vor Not, rettet sie und hüllt sie in Jubel (Ps 32,7).

Ulrich Fistill
Mittwoch, 17. März 2021
Gedanken zur vierten Fastenwoche

Das ist ein Fasten, wie Gott es wünscht: wenn du einen Nackten siehst, ihn zu bekleiden
Bis vor einem Jahr waren Flüchtlinge noch ein großes Thema. Mit der Pandemie ist alles aus dem Blickfeld entschwunden. Nicht, dass es die Flüchtlinge nicht gäbe. Aber in erster Linie sorgen wir uns jetzt um uns, um unsere Gesundheit, um unsere Sicherheit, um unsere Wirtschaft …

Hat uns das Corona-Virus auch mit Selbstsucht infiziert? Jes 58,7 ruft uns den Nächsten und seine Not wieder in Erinnerung: den Obdachlosen aufnehmen, ihm Heimat geben, Geborgenheit und Schutz gewähren … So schaut ein gottgefälliges Fasten aus.

Bei den ganzen Abstandsregeln scheint so ein Vorhaben von vorn herein zum Scheitern verurteilt zu sein, selbst wenn wir nicht nur die Flüchtlinge aus fernen Ländern in den Blick nehmen. Aber auch in Zeiten der Grenzziehungen finden sich Möglichkeiten zum Helfen.

Wenn das Fasten uns von Egoismus frei machen soll, dann gilt das umso mehr im Hinblick auf Ausgrenzung und Diskriminierung! Deshalb fragen wir uns:
  • Wie begegne ich den anderen?Grenze ich andere aus?
  • Grenze ich mich ab, oder öffne ich mein Herz?
  • Habe ich ein Lächeln und ein gutes Wort für die anderen?
  • Wo kann ich Menschen Zugänge für ein besseres und sicheres Leben ermöglichen?
Wir werden nicht alle Not lindern können. Aber in unserem Kleinen können wir sicher etwas bewirken. Den Rest überlassen wir dem Herrn. Ihm vertrauen wir uns im Gebet an, der selbst unser Gast sein will und zu uns spricht: „Ich muss heute in deinem Haus bleiben.“ (Lk 19,5) 

Ulrich Fistill
Mittwoch, 10. März 2021


Gedanken zur dritten Fastenwoche


Das ist ein Fasten, wie Gott wie Gott es wünscht: dem Hungrigen dein Brot zu brechen 
Die Pandemie hat uns in Beschlag genommen. Covid, Viren, Impfungen: Im Moment kreist alles um diese Themen. Nicht nur in den Medien, auch in den wenigen persönlichen Gesprächen, die wir noch führen…
Dass in der Welt nach wie vor tagtäglich unzählige Menschen verhungern, ist unserem Gedächtnis fast entschwunden. Und nicht nur in den sogenannten Dritte-Welt-Ländern. Auch bei uns, heißt es, werden in gewissen Familien die Lebensmittel knapp.Jes 58,7 sieht im Teilen des Brotes eine Möglichkeit des Fastens. Die Hungrigen stärken und die Gebeugten satt machen … so schaut ein gottgefälliges Fasten aus.

Wenn das Fasten uns von der Unmäßigkeit frei machen soll, dann gilt das umso mehr im Hinblick auf Hab und Gut! Deshalb fragen wir uns:
  • Wo gibt es Menschen, denen ich helfen kann?
  • Mit wem kann ich mein Brot brechen?
  • Wieviel Brot kann ich entbehren?
  • Wie schaffe ich es, den Welthunger nicht aus dem Blick zu verlieren?
  • Wer braucht nicht nur Brot, sondern auch ein gutes Wort?
Es ist nicht zufällig, dass laut unserem Glauben Gottes Gegenwart gerade im Teilen des Brotes konkret und greifbar wird. Vertrauen wir uns im Gebet Christus an, der zu uns spricht: „Ich bin das Brot des Lebens; wer zu mir kommt, wird nie mehr hungern, und wer an mich glaubt, wird nie mehr Durst haben.“ (Joh 6,35)

Ulrich Fistill
Mittwoch, 3. März 2021


Gedanken zur zweiten Fastenwoche

Das ist ein Fasten, wie Gott es wünscht: die Fesseln des Unrechts zu lösen
 
An alles Mögliche denkt man beim Thema Fasten: an Verzicht, an Bußübungen, an Vorsätze … Hand aufs Herz: Wem ist jemals so etwas wie Recht und Unrecht in den Sinn gekommen? Jes 58,6 zählt es als ersten Punkt auf: die Fesseln des Unrechts lösen, die Stricke des Jochs entfernen, Unterdrückte freilassen, jedes Joch zerbrechen … So schaut ein gottgefälliges Fasten aus. Die biblischen Bücher wiederholen diesen Gedanken wie ein Mantra: Gott ist einer, der für Recht und Gerechtigkeit einsteht. Und dasselbe wird auch von uns erwartet.

Wenn das Fasten uns von Zwängen des Irdischen frei machen soll, dann gilt das umso mehr im Hinblick auf Unterdrückung und Unrecht! Deshalb fragen wir uns:
Wo kann ich mich für Gerechtigkeit einsetzen?Wo kann ich Unrecht beheben?Wo kann ich Ungerechtigkeit vermeiden?Übe ich Druck aus und halte dadurch andere „gefangen“?Lege ich anderen ein schweres Joch auf?Fessele ich Menschen an mich?Lege ich mir selbst ein unnötiges Joch auf?Vertrauen wir uns im Gebet Christus an, der zu uns spricht: „Kommt alle zu mir, die ihr mühselig und beladen seid! Ich will euch erquicken. Nehmt mein Joch auf euch und lernt von mir; denn ich bin gütig und von Herzen demütig; und ihr werdet Ruhe finden für eure Seele. Denn mein Joch ist sanft und meine Last ist leicht.“ (Mt 11,28-30)

Ulrich Fistill
Mittwoch, 24. Februar 2021


Gedanken zum Aschermittwoch


Fragen wir uns am Beginn der Fastenzeit, wie ein gottgefälliges Fasten ausschauen könnte... Auf jeden Fall sollen wir uns nicht mit Äußerlichkeiten begnügen. Lassen wir uns neben dem Vorsatz, keine Schokolade oder andere Süßigkeiten zu essen, Woche für Woche von der Heiligen Schrift inspirieren. So werden wir erkennen: In uns steckt noch sehr viel Potential, viel mehr als uns vielleicht bewusst ist.

Ein Fasten, wie Gott es wünscht Fasten – entsagen – verzichten. Augenscheinlich stehen uns jetzt in der Fastenzeit schwierige Zeiten bevor. Vor allem nicht recht lustige. Denn es ist eine Zeit der Buße, eine Zeit der Umkehr. Vielleicht legen wir kein Sackgewand an, aber Asche auf das Haupt streuen, das gehört schon zu einem ordentlichen Beginn der Fastenzeit.Riten helfen uns, die nötige Einstellung einzunehmen. Bräuche stützen unser tägliches Handeln. Deswegen sind wir dankbar für die Asche am Aschermittwoch und für den Fastenvorsatz, der uns vierzig Tage lang begleitet.Ist aber damit der Sinn der vierzigtägigen Vorbereitungszeit auf das Osterfest ausgeschöpft?Wieder einmal stellt die Heilige Schrift unser Tun in Frage, besonders wenn wir Texte wie Jes 58 lesen. Denn da heißt es ausdrücklich, dass Gott nichts damit anfangen kann, wenn Menschen sich vor ihm demütigen; es ist nutzlos, einen traurigen Blick aufzusetzen, den Kopf wie eine Binse hängen zu lassen und sich mit Sack und Asche zu bedecken (v.5).Fragen wir uns am Beginn der Fastenzeit, wie ein gottgefälliges Fasten ausschauen könnte …Auf jeden Fall sollen wir uns nicht mit Äußerlichkeiten begnügen. Lassen wir uns neben dem Vorsatz, keine Schokolade oder andere Süßigkeiten zu essen, Woche für Woche von der Heiligen Schrift inspirieren. So werden wir erkennen: In uns steckt noch sehr viel Potential, viel mehr als uns vielleicht bewusst ist.

Ulrich Fistill
Mittwoch, 17. Februar 2021

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