Lukasfeier für Ärzt/innen und Apotheker/innen

Aus Fehlern nachhaltig lernen

10.10.2020: Der heilige Lukas gilt unter anderem als Schutzpatron der Ärzt/innen, Chirurg/innen und Apotheker/innen. Der Lukas-Tag wird am 18. Oktober begangen. Seit vielen Jahren lädt die Cusanus-Akademie rund um diesen Tag die oben genannten Zielgruppen zur Lukasfeier ein, heuer am 10. Oktober mit Beginn um 16 Uhr. Es gibt Zeit zu Austausch, Auseinandersetzung und für ein Referat.
Ablauf am Samstag, 10. Oktober 2020 

16 Uhr 
  • Begrüßung und Einstieg mit Mag. Patrizia Major Schwienbacher, Cusanus-Akademie
  • Prof. Dr. Andreas Conca: Stresstest Covid-19 und Lockdown. Resilienz und Vulnerabilität eines Gesundheitssystems. Referat in deutscher Sprache.
    Der Referent beleuchtet den Lockdown als Stresstest des Gesundheitssystems mit unmittelbaren und mittelbaren Auswirkungen auf Helfer/in und Patient/in, Resilienz und Vulnerabilität, Chancen einer Umstrukturierung bei Digitalisierung und Ethik.  

17.30 Uhr
  • Hl. Messe zu Ehren des Hl. Lukas mit P. Martin M. Lintner OSM in der Kapelle „Edith Stein“ der Cusanus-Akademie
  • Musikalische Umrahmung: Instrumental-Sänger/innen-Gruppe bestehend aus Mitarbeitenden des Sanitätsbetriebes

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Heuer referiert Prof. Dr. Andreas Conca, Direktor des psychiatrischen Dienstes des Gesundheitsbezirks Bozen und Koordinator des landesweiten Dienstes für Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie zum Thema „Stresstest Covid-19 und Lockdown. Resilienz und Vulnerabilität eines Gesundheitssystems“. 

Ein Gespräch über die Vergessenen der Pandemie und die Chancen für Ethik und Digitalisierung. 

Die Covid-19-Pandemie hat das Gesundheitssystem auch in Südtirol an den Rand gebracht. Wie haben Sie diese Zeit erlebt?
Prof. Dr. Andreas Conca: Der grundsätzliche Umgang mit einer Pandemie und einem Virus, das nach wie vor viele Fragen aufwirft und die Maßnahmen, wie zum Beispiel dem flächendeckenden Lockdown haben auch innerhalb der Institutionen zu einer Verdichtung des Arbeitsaufwandes und der persönlichen Dimension geführt. In der ersten Phase war das ein Gefühl der Schockstarre bei maximal geforderter Präsenz. Darauf folgte die zweite Phase, in der man das Gefühl entwickelte, es sei alles zu schaffen. In der Tat: Es gab es eine objektive Handlungseffizienz. Die dritte Phase führte zu einer allgemeinen Ermüdung bei gutem Funktionsniveau und einem sich aufdrängenden Bedürfnis nach Erholung. In der jetzigen vierten Phase hört man die Alarmglocken. Der Stresspegel steigt. 

Welche Maßnahmen mussten Sie in der Psychiatrie in Bozen ergreifen?
Prof. Dr. Andreas Conca:
Unmittelbar galt es, mehrere Vorkehrungen für unsere rund 4.000 ambulanten, teilstationären und stationären akuten und chronischen Patient/innen zu treffen, für unsere 216 Mitarbeiter/innen die neuen erforderlichen hygienischen Maßnahmen umzusetzen und ihnen die Möglichkeit zu garantieren, täglich den Stress zu verarbeiten. Auch die technologische Aufrüstung für die interne und externe Kommunikation und für die telepsychiatrische Aktivität spielte eine wesentliche Rolle. 

Wie haben die Patientinnen und Patienten reagiert?
Prof. Dr. Andreas Conca:
Vor allem Patient/innen, die an einer Psychose leiden, konnten sich – nicht ganz unerwartet – der Situation gut anpassen. Ihr gewöhnlicher Alltagsstress hat sich reduziert. Betroffene von Angststörungen hingegen spürten – ebenso erwartet – ein vermehrtes Unbehagen aufgrund der Reizüberflutung zu Infektions- und Lebensgefahr. 

Wer sind/waren die Vergessenen der Lockdown-Zeit?
Prof. Dr. Andreas Conca:
Kinder, Frauen und alte Menschen. Erwähnenswert ist das definitive Auseinanderklappen der Armutsschere und das Verfallen der Kultur im Nichts. 
Die Infizierten-Zahlen sind im Sommer zurückgegangen, jetzt steigen sie wieder. Was macht das mit psychisch instabilen Menschen?
Prof. Dr. Andreas Conca:
Es steigert die Vulnerabilität und macht sie für psychische und somatische Erkrankungen anfälliger. 

Was brauchen Ihre Patientinnen und Patienten vor allem? Was brauchen Mitarbeitende?
Prof. Dr. Andreas Conca:
Im Speziellen bieten wir Resilienz-fördernde Interventionen an. Einfach gesagt: Wir lenken die Aufmerksamkeit auf ausgewogene Ernährung, auf individualisierte Schlafhygiene, auf körperliche Aktivitäten und auf das Pflegen von sozialen Kontakten. 

Sie sprechen in Ihrem Vortrag von Chancen für Ethik und Digitalisierung, die der Lockdown nach sich ziehen kann. Wie meinen Sie das?
Prof. Dr. Andreas Conca:
Jeder Stresstest, wie es der Lockdown für fünf Milliarden Menschen war, zeigt die Strukturdefizite des gestressten Systems auf. Dabei wurde klar, wie insbesondere Bildung, Gesundheit, Soziales und Umwelt in einem sensiblen Gleichgewicht stehen. Menschen im dritten Alter zum Beispiel sind kaum auf ihr Lebensende vorbereitet und nur wenig ins Alltagsgeschehen integriert. Das wirft Fragen nach der Würde und dem Wert des Lebens auf. Weiters ist die künstliche Intelligenz in aller Munde. Aber der ethische Diskurs um einen guten Umgang ist mangelhaft. 

Was hat sich im Gesundheitssystem seither zum Positiven verändert?
Prof. Dr. Andreas Conca:
Sicherlich positiv zu bewerten ist, dass sich in vielen Bereichen die Solidarität und die pluridisziplinäre Zusammenarbeit regelrecht in den Mittelpunkt gedrängt haben. Auch die schon lange anstehende Digitalisierung der Kommunikation wurde beschleunigt. Eine große Hoffnung setze ich auch in die Pflege einer Fehlerkultur, die Basis für Nachhaltigkeit ist.

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