Vom landwirtschaftlichen Betrieb zum Bildungshaus

Serafin Troi erzählt die Geschichte der Cusanus-Akademie.

Es war im Jahr 1958, als Bischof Joseph Gargitter der Verwaltung des Priesterseminars den Auftrag erteilte, den nahe gelegenen Stall und Stadel des landwirtschaftlichen Betriebes des Priesterseminars auszusiedeln. Diese Weisung gab den Anstoß, auch aus wirtschaftlichen und logistischen Zwängen, die Landwirtschaft beider Seminare mit allem Drum und Dran zusammenzulegen und sie außerhalb der Stadt im Norden anzusiedeln. Sichtbar wurde der Vollzug durch den Bau des neuen Wirtschaftsgebäudes in Zinggen oberhalb des Vinzentinums. Durch die Integrierung auch des Moarhofes in der Mahr entstand der „Gutsbetrieb Vinzentinum“, wie er heute zeit- und zukunftsgerecht geführt wird. 30 Kühe, 12 Schweine und 2 Pferde wechselten zusammen mit dem Viehbestand im Vinzentinum die jeweiligen Stallungen; zudem mussten, wie bis dahin üblich, die Kühe des Seminars nicht mehr zur üblichen Herbstweide in den Roßlaufwiesen von der Eisackpromenade aus die Brennerstaatsstraße überqueren. Damit steht die Akademie auf den Grundmauern des ehemaligen landwirtschaftlichen Gebäu- des mit den umliegenden Grundstücken als Beitrag des Pries- terseminars für eine zukunftsträchtige Nachbarschaft. Ein Geschenk ist auch die nahe gelegene „Mühle“ als Wohnhaus, während das Paul-Norz-Haus als weiterer Teil des nunmehr konsolidierten Stammkapitals der Akademie gegen Ablöse abgetreten worden ist.
Die Vision des Herrn Bischofs für die zugedachte und weitblickende Bestimmung der Cusanus-Akademie dürfte nicht sofort eindeutig erkannt gewesen sein, weswegen zunächst von einem Exerzitienhaus die Rede war. Das hinderte jedoch nicht daran, Kanonikus Karl Wolfsgruber als Koordinator und Othmar Barth als Architekt den Auftrag zu Projektierung und Bau der Cusanus-Akademie zu erteilen. Die Finanzierung übernahm zur Gänze die Bischöfliche Mensa, also der Bischof. Der Verkauf von 3 Hektar landwirtschaftlichem Grund des Anreiterhofes in Bozen-Moritzing, laut Erlös mehr oder weniger, für den Bau des Landeskrankenhauses in Bozen enteignet, stellte die Finanzierung sicher, ohne auf Fremdkapital zurückgreifen zu müssen. Dies allerdings mit der Auflage seitens der Regierung, die Hälfte des Erlöses in den Kauf des „Hauensteinerwaldes“ samt „Ruine Hauenstein“ in Seis zu investieren; die andere Hälfte durfte dem Bau samt Einrichtung zur Verfügung gestellt werden. Das Kapital reichte aus, dass keine Landesfinanzierung in Anspruch genommen wurde.

Im Nachhinein gesehen waren die ersten Monate der fertiggestellten Struktur für den Herrn Bischof etwas unbefriedigend, insofern, als die Voraussetzungen für einen geordneten Start noch auf sich warten ließen. Das Drängen des Bischofs mit persönlicher Begleitung der Baufortschritte hatte von der Projektsteuerung durch Koordinator und Architekt viel verlangt. Zum Schluss nach einer termingerechten Beendigung der Arbeiten wurde von Dr. Wolfsgruber auftragsgemäß der Seminarverwaltung ein Bündel von Schlüsseln übergeben – ohne nähere Angabe für deren Verwendung. In der Tat fand noch im November ein Exerzitienkurs für Akademiker, Politiker, Rechtsanwälte, Ärzte in italienischer Muttersprache statt. Für die weiteren Monate bis in das Frühjahr hinein konnte eine Wunschliste von Exerzitien des Seelsorgeamtes nicht angenommen werden. Die Situation änderte sich schlagartig mit dem Eintreffen von P. Benedikt Tauber SJ, dem ersten Direktor der Cusanus-Akademie.
Nicht die Nähe des Priesterseminars allein bewog den Herrn Bischof, die Verwaltung des Priesterseminars zunächst für einige Jahre mit der Verwaltung zu beauftragen, da P. Tauber als nicht diözesaner Ordensmann mit der programmatischen Leitung allein vorgesehen und seine Präsenz von vorne herein erst nach Monaten möglich war. Abgesehen vom Team, das mit drei Personen, einem Hausmeister und zwei Frauen für den direkten Dienst bestellt war, sorgte das Priesterseminar für die Küche (dies heute noch), für die Heizung bis zum Anschluss an die Fernheizung und für die Versorgung der Wäsche. Die Mahlzeiten wurden von P. Tauber und dem Per- sonal beider Häuser im Priesterseminar gemeinsam eingenommen. Eine kleine Anmerkung am Rande: P. Tauber aß zusammen mit der Hausleitung und den Gästen (Priester im Haus und außerhalb) des Priesterseminars im kleinen Speisezimmer, dem er aus Jesuitenpraxis gewohnt den Namen „Kammerle“ gab. Auch Papst Benedikt weiß heute noch, wovon man spricht, wenn er das Wort „Kammerle“ hört, in dem auch er bei seinen Aufenthalten als Kardinal und einmal auch als Papst in einer Tischgemeinschaft gespeist hat.

Mangels eigener Rechtspersönlichkeit gehörte die Cusanus-Akademie eine Zeit lang zur Bischöflichen Mensa, dem Bischof direkt unterstellt. In der Zeit der Direktion von Mag. Konrad Obexer erhielt sie eigene Rechtspersönlichkeit. Betriebswirtschaftlich übernahm P. Tauber nach sechs Jahren auf mehrmaliges Bitten hin die Verwaltung selbst in die Hand; er wäre von allem Anfang aufgrund gediegener Erfahrung dazu voll kompetent gewesen. Mit der Ausweitung der Tätigkeit der Cusanus-Akademie und allen Ressourcen der Direktion unter Mag. Konrad Obexer wurden bis auf den Küchendienst – und das mangels eigener Strukturen – alle Dienste eigenständig übernommen: bald schon die Wäsche, zuletzt die Heizung, wie vorhin angedeutet.
Einige Worte zum bekannten Haupteingang vom Seminarplatz her dem Priesterseminar entlang zur Akademie: Wenn etwas im Gesamtprojekt der Cusanus-Akademie nicht ganz befriedigte, war es seit jeher der Zugang zu ihr. In einem bestimmten Moment wurde das Unbehagen so vehement, dass Arch. Barth durch das Bemühen von Generalvikar Josef Michaeler mit der Ausarbeitung eines Projektes unter Berücksichtigung des Haupteinganges an anderer Stelle beauftragt worden war. Das Projekt sah ein zweites Gebäude im Stil der Akademie und parallel zur ihr an der Westseite vor – mit dem Haupteingang für den ganzen Komplex an der Widmannbrücken- gasse. Mangels einer zufriedenstellenden Überzeu- gung dieser Lösung und aus nanziellen Gründen wurde alle Bemühung ad acta gelegt; das Anliegen selbst dürfte von der allmählichen Gewöhnung an den bestehenden Haupteingang abgelöst sein. Zum Schluss eine Bemerkung dem unvergessenen Kanonikus Franco zu Ehren, der der Cusanus-Akademie dank ihres Standortes die Bezeichnung „Ochsenfort Universität“ verlieh.

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