Zurück zum Ursprung - hinein in die Moderne

Die Cusanus-Akademie ist neu

Die barrierefreie Cusanus-Akademie mit zehn unterschiedlich großen Sälen, mit moderner Technologie, 55 Zimmern, 96 Betten, einer neugestalteten Kapelle, einem Meditationsraum, einer Erweiterung im Untergeschoss und einem bezaubernden Café und Speisesaal wurde im September 2020 eröffnet. Es war nicht einfach, die fast 60 Jahre alte, berühmte wie wegweisende Architektur von Othmar Barth auf ihre Stärken zu reduzieren und durch den Umbau gleichzeitig in die neue Zeit zu führen. 
Matteo Scagnol ist in Triest geboren, lebt in Brixen und ist Inhaber des Brixner Architekturbüros MoDusArchitects. Er und Sandy Attia haben den Umbau der Cusanus-Akademie geplant und zwischen 2018 und 2020 18 Monate lang begleitet. Beide haben an der Harvard-Universität studiert. MoDusArchitects wurde in den vergangenen Jahren für verschiedene Projekte ausgezeichnet. Ein Gespräch.

Der bekannte Architekt Othmar Barth hat die Cusanus-Akademie vor 60 Jahren geplant. Was war das Besondere an seinem damaligen Plan? 
Matteo Scagnol:
Die Cusanus-Akademie basiert auf zwei grundlegenden Konzepten. Sie ist zum einen reich an Räumen und zum anderen arm an verwendeten Materialien. Das ist nur scheinbar ein Widerspruch. Die zeitlose, klassische Architektur drückt ein erhabenes Gefühl von Vollständigkeit und Richtigkeit aus. Das Gebäude wurde so konzipiert, dass es die menschliche Gemeinschaft aufnimmt und sich zu seinem Inneren hin mit großen Räumen in einer Agora öffnet, die flexibel und einzigartig ist. 

Sie kennen inzwischen jeden Winkel in der Cusanus-Akademie. Was haben Sie während des Umbaus an diesem Bau schätzen gelernt? 
Matteo Scagnol:
Die Präzision, den Sinn für Geometrie, die Details, die nie zufällig und nie komplex oder zu raffiniert sind. Aber vor allem schätze ich, dass diese Architektur wie jeder Mensch Fehler hat und nicht perfekt ist. Genau in diesem Zustand überzeugt die Architektur mit einem unglaublichen Pathos – beispielsweise wenn sie im Zusammenspiel mit natürlichen Elementen wie der Sonne das Stahlbetongewölbe des Festsaals wie ein Bildhauer formt. 
Welche Eingriffe haben Sie am meisten herausgefordert?
Matteo Scagnol:
Unter Barths Gebäude wurden ein neues Treppenhaus und eine unterirdische Halle gebaut. Im Körper des Gebäudes wurde eine riesige Wunde geöffnet – einer chirurgischen Operation ähnlich, um ein lebenswichtiges Organ zu ersetzen. Aber diese Operation hat nicht einen Tag, sondern einige Monate gedauert. Anspannung und Besorgnis waren groß. Aber zum Glück atmet der Patient wieder. Es geht ihm besser als zuvor.

Was freut Sie jetzt nach Bauvollendung am meisten?
Matteo Scagnol:
Zum einen ist es die Bewegungsfreiheit, aber gleichzeitig auch die Privatsphäre der Räume in der Cusanus-Akademie. Wie in einem Privathaus können Sie sich in Ihr Zimmer zurückziehen und die Privatsphäre wahren. Gleichzeitig können Sie in großen "Wohnzimmern" zusammensein, um zu diskutieren und gemeinsam zu lernen. Dafür ist Architektur da. Sie ist Schauplatz und Theater unseres Lebens.

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