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Bildung online: Vom Handschlag zum Fußklatsch

Bildung online: Vom Handschlag zum Fußklatsch

Wie begrüßen Sie sich normalerweise? Geben Sie sich die Hand, umarmen Sie sich oder zeigen Sie sich die Zunge?

Wenn sich Menschen begegnen, begrüßen sie sich mit unterschiedlichen körperlichen Gesten. Die Begrüßungsrituale variieren nach Kultur, Zeit sowie modischen Trends. Es gibt keine Gesellschaft oder soziale Gruppe, die über keine Form des Grußes verfügt. Dabei verfolgt das Ritual der Begrüßung immer das Ziel, mit anderen Menschen friedlich in Kontakt zu treten und signalisiert den Beginn einer sozialen Beziehung. Betrachtet man Begrüßungsrituale genauer, erkennt man in ihnen einige kulturelle Komponenten, wie zum Beispiel Nähe und Distanz, unterschiedliche Machtpositionen, Hierarchien, den Umgang mit Zeit, sowie individuelle oder familiäre Gesellschaftsstrukturen, um nur einige zu nennen.

Die meisten Menschen in Europa und in den USA reichen sich zur Begrüßung die Hand und halten dabei direkten Augenkontakt. Diese Begrüßungsform ist mittlerweile die gängigste, auch weil sie durch die Globalisierung in fast alle Teile der Welt „exportiert“ worden ist. Oft wird das Händereichen verbal von Wörtern wie „Hallo“, „Wie geht’s“, „Schön, Sie wiederzusehen“ begleitet. Diese Art des Grußes ist auch deshalb interessant, weil sie Nähe und Distanz gleichermaßen in sich vereint. Nähe, weil es durch den Händedruck zu einer gegenseitigen Berührung kommt. Gleichzeitig symbolisiert man dem Gegenüber die Grenzen der eigenen Komfortzone, normalerweise die Länge des Unterarmes.

In den südlichen Ländern ist man ein wenig intimer, indem man sich die Wangen küsst oder liebevoll umarmt.

In manchen afrikanischen Ländern legen die Männer während des Händeschüttelns die linke Hand auf die Schulter ihres Gegenübers. Es gilt als höflich, sich beim Begrüßen Zeit zu lassen und sich zugleich über das Wohlbefinden, über die Familie oder Ähnliches zu erkundigen.

In Japan begrüßt man sich hingegen ganz ohne Körperkontakt, indem man sich mit geradem Rücken aus der Taille nach vorne beugt. Dabei verzichtet man auch auf Augenkontakt. In Indien legen manche Menschen bei der Begrüßung die Handflächen vor der Brust zusammen und beugen den Kopf leicht. Dabei kann man auch „namaste“ sagen. Einige tibetische Völker strecken dem anderen die Zunge heraus.

Jugendliche wiederum begrüßen sich hingegen oft mit einem lockeren Händeschlag. Unterschiedliche Begrüßungsrituale können auch zwischen den Generationen, Geschlechtern und sozialen Positionen festgestellt werden.

Die Begrüßung gilt im Allgemeinen als ein kulturelles Merkmal. Dass Kultur aber nicht starr, sondern variabel ist, beweist die Tatsache, dass man Gegebenheiten auch hinterfragen und ändern kann – und manchmal auch muss, so zum Beispiel die Begrüßungsgewohnheiten in Zeiten des Corona-Virus.

Bei den Vorsorge-Informationen zu Corona ist nachzulesen, dass man Umarmungen und Händeschütteln vermeiden soll. Unsere üblichen Begrüßungsrituale werden außer Kraft gesetzt, neue Begrüßungsformen gesucht. Wir können unserer Kreativität freien Lauf lassen. Ich zum Beispiel ziehe es vor, mein Gegenüber mit den Füßen beziehungsweise Schuhen anzuklatschen. Unabhängig davon, wofür Sie sich entscheiden: Neue Begrüßungsformen geben der Kommunikation neue Chancen.

Matthias Oberbacher, Soziologe


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