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Bildung online: Und wir bewegen uns doch

Bildung online: Und wir bewegen uns doch

Viele von uns sind es gewohnt, sich draußen – zum Beispiel in den Bergen, beim Joggen oder beim Tennisspiel – zu bewegen, oder drinnen im Fitnessstudio, im Hallenbad.
Wir alle wissen, dass Bewegung gesund ist. Man hält sich fit, fühlt sich lebendig, der Kopf wird frei. Die ausgeschütteten Endorphine können sogar wie eine kleine Droge wirken.

Was aber passiert in Zeiten mit uns, in denen das Bedürfnis nach Bewegung nicht mehr, oder nur mehr eingeschränkt bedient werden kann? Wir werden im buchstäblichen Sinn eingebremst. War es bis jetzt so, dass ich nach intensiver Arbeit am Computer joggen ging, nach einem Streit in der Familie auf dem Tennisplatz meinen Ärger los wurde oder ich mein seelisches Gleichgewicht beim Berggehen wieder fand, bin ich nun all der Möglichkeiten dieser Art von Lebensbewältigung beraubt. Eine Folge kann sein, dass sich durch den nicht gelebten Bewegungsdrang Rastlosigkeit, Enge-Gefühle und manchmal innere Leere in mein Leben drängen.

Gott sei Dank gibt es dank diverser Internetkanäle genug Möglichkeiten, sich trotzdem in den eigenen vier Wänden zu bewegen. Aber es ändert nichts an der grundlegenden Tatsache, dass Gewohntes aufgegeben werden muss und somit gängige Muster durchbrochen werden. Es ist wie bei einem Zug, der selbstverständlich immer auf seinen Gleisen fährt, mal schneller, mal langsamer. Aber er fährt und folgt dem vorgegebenen Weg. Das Corona-Virus mit seinen Auswirkungen auf die Gesellschaft wirkt wie eine abrupte Bremsung. Nun steht der Zug.

Und jetzt?

Da er steht, niemand hätte ihn je freiwillig angehalten, müssen wir einen Umgang mit dieser Situation finden. Und wir können die Weichen, die vor uns liegen, die aber in der stetigen Bewegung nicht gesehen werden, einfach mal wahrnehmen. Wo könnte uns welche Weichenstellung hinführen?

Was wäre, wenn...
- mein Zug in diese Richtung oder auf jenem Weg fahren würde?
- ich die erzwungene Lage, in der wir uns nun alle befinden, auch als Möglichkeit sehen würde, anderes für mich zu entdecken, den Raum für Neues zu öffnen?
- ich mir Fragen stellte: Wofür dient mir mein Bewegungsdrang? Was macht mich unruhig, wenn ich mich nicht mehr bewegen kann/darf? Wovon in meinem Inneren lenkt es mich ab? Wobei hilft mir die Bewegung?

Der Körper ist der Übersetzer der Seele ins Sichtbare (C. Morgenstern). Die äußere Haltung drückt die innere aus und äußere und innere Bewegung bedingen sich gegenseitig.

Also, was wäre, wenn...
- ich den Blick nach innen richte, um zu sehen, welche inneren Bewegungen in mir stattfinden? Was mich bewegt, was sich in mir bewegt? Was freut mich, was ängstigt mich, was sind meine Hoffnungen und wo in meinem Körper spüre ich diese Gefühle?
- ich die kleinen und großen Bewegungen des Alltags bewusst und achtsam ausführe, dabei auf meine Atmung achte und feststelle, wann ich den Atem anhalte und wann ich ihn fließen lasse?
- ich mich vor allem dann in meiner Körperlichkeit spüre, wenn ich abwechselnd warm und kalt dusche, mich mit einem Massageschwamm abschrubbe und so meine Grenze, meine Haut, deutlich wahrnehmen kann?
- ich still sitze, mit offenen oder geschlossenen Augen und die Geräusche auf mich einwirken lasse, die um mich sind? Bei geöffnetem Fenster, morgens, in der Nacht.
- ich mich auch meinen anderen Sinnen zuwende,
schmecke: salzig, bitter, süß...
rieche: herb, süß, stinkig, betörend...
fühle: meine Kleidung, die Sonne, den Wind auf meiner Haut...
sehe: eine Blume, ein liebes Familienmitglied...
- höre: den Frühling, draußen, vor der Tür...
- ich nachspüre, welche Bewegungen, die ich im Hause machen kann, innere Bewegungen ermöglichen, wie es sich anfühlt, wenn zum Beispiel die Oberschenkelmuskulatur beim Stiegensteigen arbeitet, die Lungen die Luft aufnehmen, das Herz spürbar klopft.

Irgendwann wird die Ausgangssperre vorbei sein, dann können wir alle wieder auf die Berge, aufs Rad, auf den Tennisplatz. Vielleicht aber hat dann der eine und die andere noch ein anderes Bewegungsrepertoire entwickelt, etwas Leiseres, Langsameres, auf das er und sie nach Lust und Laune und zur Bereicherung immer wieder zurückgreifen können.

Christine Wagner, Körper-Psychotherapeutin, Sportlehrerin


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