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Bildung online: Zwischen Ohnmacht und Hoffnung

Bildung online: Zwischen Ohnmacht und Hoffnung

Der Karfreitag läuft immer ein bisschen Gefahr, unterzugehen. Sicher, das Hochfest der Auferstehung unseres Herrn bildet den Mittelpunkt unseres Glaubens. Aber ich denke, dass wir das Osterfest angesichts der weltweit grassierenden Pandemie nur dann richtig verstehen und genießen können, wenn wir uns ganz einlassen auf die harte Realität des Todes Jesu Christi am Kreuz.

Allzu leicht verdrängen wir die Erinnerung an den Tod; allzu leicht versuchen wir dem Thema aus dem Weg zu gehen, haben schnell Tröstungen parat. Wir beschwichtigen, verharmlosen, spielen die Sache herunter … auch in diesen schwierigen Tagen. Ich finde es etwas oberflächlich, wenn es heißt: „Alles wird gut!“ Denn: Es stimmt nicht! Natürlich werden wir irgendwie diese schwere Zeit überleben – aber nicht alle! Und irgendwie wird es auch stimmen, dass alles gut wird – aber nicht für alle, und nicht für alle gleich.

Es liegt wohl in unserer menschlichen Natur, dass wir auf unsere Fragen schnelle und präzise Antworten verlangen. Aber gerade im Anblick des Todes sind wir mit unserem Latein am Ende. Was will man angesichts des Todes schon viel sagen?

Auch die Jünger waren in diesem Augenblick überfordert. Mit dem Tod hatten sie nicht gerechnet. Und sie tun das, was wohl alle Menschen spontan im Anbetracht des Leidens und des Todes geneigt sind zu tun: Sie suchen die größtmögliche Entfernung; sie ziehen sich zurück, verstecken sich, suchen Ausreden; sie versuchen diese Realität möglichst zu verdrängen und nicht anzuschauen.

Versuchen wir uns in die Situation der Jünger einzufühlen, als ihr Meister wie ein Verbrecher gefangen genommen und nach einem Schnellverfahren zum Tode verurteilt wurde. Welche waren wohl ihre Gedanken in dieser Situation? – Nun ist alles dahin! Welchen Sinn hat das alles? Ist nun alles zu Ende? Endet das Ganze mit einer Leiche, die an einem Holzbalken aufgehängt wurde? Ein schrecklicher Gedanke! Und doch sollen wir diesen Gedanken zulassen. Versuchen wir, die Spannung des Kreuzes in ihrer ganzen Tragik auszuhalten: Was wäre, wenn das nun alles gewesen wäre? Was wäre, wenn der Tod wirklich das letzte Wort über uns sprechen könnte? Was wäre, wenn die ganze Geschichte mit einer Leiche an einem Holzbalken geendet hätte?

Die Jünger damals hatten wohl auch keine bessere Antwort parat als die Antwort des Glaubens, ein Glaube, der ihnen in ihrem Herzen zu verstehen gab: Trotz allem, der Gekreuzigte ist der Herr; er ist Gottes Sohn, wie der römische Hauptmann unter dem Kreuz bekennt; er ist der, der die unbegreifliche Liebe Gottes zu uns Menschen greifbar und begreifbar gemacht hat.

Aber diese Antwort des Glaubens fand nicht sofort eine Bestätigung. Zunächst gab es einmal eine Zeit der Unsicherheit und des Zweifelns. Und so kommt auch für uns nach dem Karfreitag der Karsamstag, der Tag der Grabesruhe, der Tag der Stille. Derzeit erleben wir einen langen Karsamstag. Alles steht still. Wir wagen uns kaum noch zu rühren. Wie die Jünger damals verspüren wir Ängste und Sorgen. Die Unsicherheit über den Verlauf der Pandemie verstärkt unser Gefühl von Ohnmacht und Aussichtslosigkeit. Wir fühlen uns verlassen, alleine gelassen, auf uns selber gestellt. Und nicht wenige werden sich fragen: Warum greift Gott nicht ein? Lässt Gott die Welt in den Abgrund rennen? Auf diese Fragen gibt uns der Karsamstag keine Antwort. Deswegen tun wir uns auch so schwer, den Karsamstag auszuhalten. Der Karsamstag bekommt nur durch Christus einen Sinn, weil auch er diesen des Zweifelns und der Verzweiflung „durchlebt“ hat. Und er lädt uns ein, dass auch wir die lange Karsamstag-Zeit in dieser Pandemie ernst nehmen, dass wir sie nicht leichtfertig überspringen wollen, dass wir sie nicht verdrängen. Wir sind mitten im Leiden, gerade auch im Mit-Leiden mit den Kranken und Sterbenden. Das bedrückt uns, das macht uns traurig. Aber es erdrückt uns nicht, weil die Hoffnung dahinter aufleuchtet.

Im Nachhinein haben wir es leichter als damals die Jünger. Wir wissen, dass Christus von den Toten auferstanden ist; wir wissen, dass er den Tod bezwungen hat. Und aus diesem Blickwinkel heraus – und nur aus dem Blickwinkel der Auferstehung der Toten heraus – können wir mit Zuversicht sagen: Alles wird gut! Jetzt braucht es Geduld und Zuversicht – Ostern kommt bestimmt!

Der Blick auf den Gekreuzigten möge unseren Glauben festigen und uns die Kraft schenken, die Finsternis der Welt, die Finsternis der Einsamkeit, die Finsternis des Leidens und Sterbens zu tragen und hoffnungsvoll auch das Licht zu blicken, das uns am Ostermorgen aufleuchtet.

Ulrich Fistill, Professor für Altes Testament an der Philosophisch-Theologischen Hochschule Brixen


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